Meine Tochter
Du siehst weiß
und erkennst schwarz.
Warum siehst du nicht
die Farben der Mitte?
Sieh die feinen Nuancen,
denn sie sind wichtig.
Erkenne das Graue im Weiß
und im Schwarz das Pastell.
Drehe die Farben
vom Schatten zum Licht.
Unendliches wird dir offenbar,
die Vielfalt der Farbfacetten
wird deine Seele öffnen,
um in der Schwärze schon
kommendes Blau zu sehen
und im roten Feuerball
gelbliches Leuchten.
Grünes zeigt Schlieren,
die dir die Sicht verschmieren,
und im reinsten, unschuldigen Weiß
sitzt ein höllisches Samenkorn.
Deshalb, meine Tochter,
bedenke aufs Neue, lass alles wirken,
schließ alles ein.
Sei ehrlich zu dir,
bescheiden und sehr gelassen.
Erkenne die Liebe,
denk mit dem Herzen.
Auch andere Menschen
haben starke Schmerzen.
Sie lachen dich an
und weinen im Stillen.
Nimm in die Arme, öffne dein Herz.
Nur so siehst du die Wahrheit,
blickst hinter vergangene Dinge,
die dich heute noch zu krampfhaftem
Weinen bringen.
Wirf dich dem Leben entgegen,
dann wirst du alles verstehen.
02. Juni 2007
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